Der Mercedes-Benz W 201 ist der erste Mercedes der Mittelklasse und Vorläufer der C-Klasse. Er zielte vor allem auf die Käuferschicht des erfolgreichen BMW 3er ab.

Der W 201 wurde immer als Mercedes-Benz 190 vermarktet, unabhängig vom Hubraum des Motors. Mercedes-Benz stellte ihn am 8. Dezember 1982 vor und produzierte bis August 1993 mehr als 1,8 Millionen Stück. Damit zählt er zu den erfolgreichsten Modellen von Mercedes-Benz.

Allgemeines

Der Mercedes-Benz W 201 markiert für Daimler-Benz den Übergang zu einer neuen Fahrzeuggeneration. Raumlenkerhinterachse, neuentwickelte gekapselte Dieselmotoren und strömungsgünstige und sachliche Karosserie stehen für den neuen Stil. Der W 201 wurde über 10 Jahre lang produziert, und sollte sich vor allem gegen den BMW 3er stellen, der in den USA hohe Absatzzahlen erreichte.

Zugleich zeigte die Erdölkrise 1974 den Bedarf nach einem sparsameren und kompakteren Modell. Trotzdem lag die passive Sicherheit auf hohem Niveau: Mit Auslegung auf Offset-Crash, Antiblockiersystem und Fahrerairbag bot der W 201 Ausstattungsmerkmale, die die Konkurrenz erst rund 10 Jahre später in diesem Segment anbot.

Besonders die Mittelklasse-Baureihe Mercedes-Benz W 124 sollte stark vom Konzept geprägt werden. Das betrifft sowohl Designausprägung als auch wesentliche Technikmerkmale. Paradoxerweise lagen zum Zeitpunkt der Einführung die Preise des W 201 oberhalb der Mittelklasse-Limousine W 123, obwohl dieser in einem höheren Segment positioniert war.

Die noch 1983 zu beobachtende Kaufzurückhaltung erforderte für die Daimler-Benz AG erstmals die Notwendigkeit, Autos zu verkaufen statt sie nur zu "verteilen". Durch den sukzessiven Ausbau der Modellpalette (bereits 1983 folgten der 190 Diesel und das Sportmodell 190 E 2.3-16) erfreute sich das neue Modell schnell einer großen Beliebtheit, sodass Lieferfristen von einigen Monaten üblich wurden.

Technik

Der W 201 ist der erste Mercedes-PKW mit der sogenannten Raumlenker-Hinterachse. Sie hat pro Rad fünf Lenker, die am Achsschenkel und am hinteren Fahrschemel der Karosserie an jeweils einem Punkt gelagert sind. Jeder dieser Lenker nimmt dem Achsschenkel einen der sechs Freiheitsgrade der Bewegung eines Körpers im Raum, so dass gerade ein Freiheitsgrad für die Ein- und Ausfederung bleibt. Diese Konstruktion bietet gegenüber konventionellen Achsen mehr Möglichkeiten, um die Änderung von Sturz und Vorspur abhängig von der Einfederung und den wirkenden Kräften (Elastokinematik) abzustimmen.

Die Vorderachse ist dafür eine vergleichsweise einfache Dämpferbeinachse mit einem Dreiecksquerlenker, auf den die Schraubenfeder wirkt. Beide Achsen haben einen Drehstab-Stabilisator.

Anstelle der Mercedes-typischen Fußfeststellbremse befindet sich ein „normaler“ Handbremshebel auf der Mittelkonsole. Der Grund dafür ist der relativ enge Fußraum des Wagens, der nicht den Platz für ein Feststell-Pedal bot. Neu ist auch der Einarmwischer, der ab Herbst 1984 mit einer speziellen Hubtechnik ausgestattet wurde und damit eine größere Fläche abdeckte - nach Angaben der Mercedes-Benz AG bis zu 86 % der Scheibe. Dieser wurde auch in der im November 1984 eingeführten Baureihe 124, im Nachfolgemodell Baureihe 202 und weiteren späteren Modellen verwendet.

Zunächst wurden die Modelle als 190 und 190 E (mit dem Ottomotor M102) angeboten; ab Herbst 1983 ergänzte die 53 kW starke Dieselvariante 190 D (OM601) und die Sportversion 190 E 2.3-16 (M102 mit vier Ventilen je Zylinder und 136 kW/185 PS) das Programm. Ab 1985 wurden weitere Modelle angeboten, der 190 D 2.5 (OM602) mit 66 kW, der 190 E 2.3 mit 100 kW und der 190 E 2.6 mit einem 122 kW starken Sechszylinder-Reihenmotor (M 103). Später wurde der 190 D 2.5 in einer auf 90 kW verstärkten Turboversion, zunächst serienmäßig mit Viergang-Automatikgetriebe, ausgeliefert. Exportmärkten vorbehalten war der 180 E. Auf dem Pariser Autosalon wurde 1986 die neue Generation von Sechzehnventilern vorgestellt. Das Modell 190 E 2.5-16 mit 143 kW (195 PS) macht sich auch als Evo-Renntourenwagen einen Namen.

Die 16-Ventil-Motoren entstammen einer Kooperation mit dem Motorenentwickler Cosworth und wurden auf einigen Märkten auch als 190 E 2.3-16 Cosworth angeboten. Das Tuningmodell 190 E 3.2 AMG mit 172 kW (234 PS) war ab dem Jahre 1992 ebenfalls über die Mercedes-Benz-Händler bestellbar.

Design

In den Grundzügen blieben die Proportionen des W 201 bis zum Modell Baureihe 203 erhalten. Das Design mit dem relativ kurzen, hohen und sich verjüngenden Heck brach radikal mit den bisherigen Mercedes-Modellen. Auch war der W 201 der erste Mercedes, der – mit Ausnahme des Kühlergrills – auf Chromschmuck verzichtete. Der Luftwiderstandsbeiwert (Cw) liegt nach Angaben von Daimler-Benz von 1983 bei 0,33. Später nahm Mercedes in den Mittel- und Oberklassemodellen Baureihe 124 und Baureihe 140 Designelemente des W 201 auf.

Produktion

Die Gesamtzahl aller produzierten Mercedes-Benz W 201 beläuft sich auf insgesamt ca. 1,9 Millionen Exemplare. Eine Besonderheit war, dass erstmals in der Geschichte von Daimler-Benz ein Modell an zwei Standorten gleichzeitig produziert wurde. Genau 58 % der Fahrzeuge baute das Werk Bremen. Die anderen 42 % der Fahrzeuge wurde im Werk Sindelfingen hergestellt.

Etwa 53 % der gebauten Fahrzeuge wurde in Deutschland verkauft, nur jedes zehnte Fahrzeug in den USA (dort wurde der Wagen wegen seiner speziell für die USA eher geringen Größe „Baby-Benz“ genannt). Dieses Verhältnis war bei Daimler-Benz ungewöhnlich niedrig, zumal die Impulse zur Entwicklung in erster Linie aus den USA stammten. Die meistgefragte Typen stellten der 190 E 2.0 (rund 34 %) und der 190 D (24 %) dar. Obwohl erst 1990 eingeführt, konnte der 190 E 1.8, womöglich durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, in kurzer Zeit ein Drittel des Gesamtabsatzes für sich einnehmen.

Der letzte Mercedes-Benz W 201 wurde im August 1993 im Werk in Bremen gebaut und dem Mercedes-Benz Museum übergeben. Der Nachfolger des W 201 wurde 1993 die Baureihe 202 unter der Bezeichnung „C-Klasse“.

Quelle